Episode 8:
Volker Struth – Berater oder Persona non grata?

Volker Struth: Berater oder Persona non grata?

Über Volker Struth und seine Verbindungen zum FC wurden in den letzten Tagen schon gute Statements geschrieben wie z.B. von Zwei Kölsch. Wir wollen diesen Verbindungen aber noch einmal etwas genauer auf den Grund gehen.

Zuerst einmal haben wahrscheinlich viele Fans immer noch keine Vorstellung davon, welch enorme Summen im Profifußball an Spielerberater gezahlt werden. Insgesamt zahlten die Klubs, die in der nächsten Saison in der Bundesliga spielen 193,6 Millionen Euro an Spielerberater. Nicht gerade wenig, wenn man bedenkt, dass nicht wenige Vereine öffentlich ihre Fans “angebettelt” haben um die klammen Kassen wieder ein wenig zu füllen.

Struth selber kann man wohl mit gutem Gewissen als Big Player im Berater-Business bezeichnen. Das US-Magazin “Forbes” kürte Struth 2015 zu einem der fünf einflussreichsten Sportleragenten der Welt. Er bzw. seine Agentur haben so große Namen wie Upamecano, Süle oder Toni Kroos unter Vertrag. Auch bei unserem FC hatte Volker Struth zeitweise ziemlich viele Spieler untergebracht. In den letzten Zügen seiner Zeit beim FC hatte man bei Jörg Schmadtke das Gefühl, dass auf seinem Handy definitiv die Nummer von Volker Struth als Kurzwahl auf dem Homescreen untergebracht war. Zeitweise waren acht Spieler im FC-Kader Schützlinge von Volker Struth. Gekrönt wurde diese starke Verbindung dann dadurch, dass Schmadtke kurz vor seinem Rauswurf noch die Verträge mit den Struth-Schützlingen Konstantin Rausch und Matthias Lehmann verlängerte. Erstaunlicherweise wurden diese Vertragsverlängerungen erst öffentlich, nachdem Schmadtke schon längst weg war. Passend dazu, trat Schmadtke dann zum ersten Mal nach seinem Abgang beim FC, wieder bei der SportsTotal Jubiläumsgala auf. 

Man kennt sich, man schätzt sich. In der Berater-Branche gilt es als üblich, dass die Berater zehn Prozent vom Kuchen des Spielergehalts abbekommen. Man kann sich also gut vorstellen, wie viel Geld “FC-Fan” Volker Struth mittlerweile schon vom FC bekommen hat. Und dabei sind noch nicht einmal die satten Prämien, die Berater bei einem ablösefreien Wechsel ihrer Schützlinge bekommen enthalten. Erst kürzlich kam heraus, dass Struth bei Mark Uths ablösefreien Wechsel von Hoffenheim zu Schalke satte drei Millionen Euro abkassiert hat.

Bei der Vertragsverlängerung von Toni Kroos bei Real Madrid kassierte Struth fünf Millionen Euro.

Struth kann sicherlich nichts dafür, dass ihm solche Beträge gezahlt werden. Unanständig wird es aber, wenn er sich wiederholt in Vereinsbelange des 1.FC Köln einmischt und sich selbstverständlich dafür einsetzt, dass noch mehr Geld in den Kreislauf Profifußball gepumpt wird. Da ist es auch nicht besonders überraschend, dass sich Volker Struth für Horst Heldt einsetzt. Als Spielerberater mag man es sicherlich, wenn Fußball-Manager das Geld mit beiden Händen zum Fenster raus werfen. Es ist ja auch nicht ihr eigenes Geld.

Sehr interessant war dann auch der Einfluss von Struth auf einige Transfers die der Hamburger SV getätigt hat. Struth, der als Einflüsterer und Freund von Investor Klaus-Michael Kühne gilt, hat dem HSV so kostspielige Millionenflops wie André Hahn und Bobby Wood beschert.

Letztgenannter Bobby Wood kam in fünf Jahren zu achtzig Einsätzen beim HSV und erzielte dabei sagenhafte 13 Tore. Im April 2021 wurde dann sein Vertrag beim HSV aufgelöst. Es war ein äußerst teures Missverständnis, das Struth da dem HSV angedreht hat. Noch im Herbst 2016 bestätigte Struth gegenüber der SportBILD: Kühne habe ihn nach seiner Meinung gefragt “Und ich bleibe dabei: Das sind alles gute Transfers.”

Na herzlichen Glückwunsch, wenn Volker Struth solche Transfers schon seinen Freunden vorschlägt, dann möchte man ihn wohl wirklich nicht als Feind haben. Bobby Wood hat in der ersten Liga bis zu vier Millionen pro Jahr verdient. In der zweiten Liga “nur” die Hälfte.

Alleine schon an dieser Personalie kann man erkennen, weshalb sich Volker Struth noch mehr Investoren im Profifußball wünscht. Es findet sich immer irgendein Dussel, der absurde Summen für maximal durchschnittliche Kicker zahlt. Und wie wir gelernt haben, verdient der Berater immer zehn Prozent mit.

Aber kommen wir zurück zum FC. In einem Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger lieferte Struth letzte Woche ein erstklassiges Bullshit-Bingo ab. Er sagte, dass der FSV Mainz dem FC längst enteilt wäre. Nun, erstaunlicherweise ist der FSV Mainz ein gutes Beispiel für einen demokratischen Verein, der ohne Investor geführt wird. Des Weiteren hält er die Trennung von Horst Heldt für reinen Populismus und meint, dass Heldt ja schließlich den Retter Friedhelm Funkel eingestellt hat. Offenbar hat auch Herr Struth schon vergessen, dass Heldt ursprünglich Thorsten Fink als Trainer holen wollte? Naja, kann ja mal passieren.

Im weiteren Verlauf bemängelt er die Bereitschaft Gelder zu generieren, da der Fußball im Jahr 2021 sehr viel mit Geld zu tun hat. Ja gut, wahrscheinlich liegt es an den Unsummen, die der SC Freiburg Jahr für Jahr ausgibt, weshalb die nahezu immer vor dem FC landen? Und wahrscheinlich spielt Union Berlin in der nächsten Saison doch nicht international, sondern gegen Zwickau? Vielleicht liegt es aber auch einfach daran, dass der 1.FC Köln in den letzten dreißig Jahren gerade mal fünf Jahre lang tatsächlich gute Arbeit abgeliefert hat? Zu guter Letzt will Herr Struth dann auch noch, dass man so einen Top-Menschen wie Friedhelm Funkel doch an den Verein binden muss. Ja, der Friedhelm ist wirklich ein Top-Mensch. Deshalb bläst er auch ins gleiche Horn wie Struth und erzählt weiter das Märchen der ach so mächtigen Gremien, die der einzig wahrhaftige Grund dafür sind, dass der FC nicht in jedem Jahr im Europapokal spielt. Funkels Ehefrau leitet übrigens die Stiftung von Volker Struth. Man kennt sich, man schätzt sich. So ist das halt im Profifußball.

Eines ist jedenfalls klar. Volker Struth geht es ganz bestimmt nicht um das Wohlergehen unseres 1.FC Köln. Ihm geht es lediglich um den stetig fließenden Geldfluss in seine Taschen.

Was bisher geschah

Episode 1: Der Teflon-Mann

Die Sage vom "Finanzgenie"
Alexander Wehrle

Episode 5: Der Marlboro-Mann ohne Lasso

Geschäftsführung Sport beim 1. FC Köln:
Horst Heldt und seine Vorgänger